Beißzeiten 2027 ohne Mond: Wann der Fisch wirklich beißt

Viele Angler haben jahrelang mit den Beißzeiten aus FISCH & FANG geplant. Damit ist jetzt Schluss. Die letzte Tabelle galt für 2025, und auf der Seite steht, dass ab 2026 keine mehr erscheinen. Wer die Beißzeiten 2027 sucht, geht also leer aus. Die ehrliche Antwort ist ohnehin kurz: Verlässliche Beißzeiten für ein ganzes Jahr kann niemand vorab drucken. Der Biss hängt vom Wetter und vom Wasser ab, und die kennt ein Jahr im Voraus keiner. Hier liest du, was in den alten Tabellen stand und was Fangstudien über den Mond herausgefunden haben. Und du siehst, wie klewa die Beißzeiten für dein Gewässer ohne Mondtabelle berechnet.
Was stand eigentlich in den Beißzeiten-Tabellen?
Die Idee stammt von John Alden Knight, einem amerikanischen Angelautor. In den 1930er-Jahren stellte er die Solunar-Theorie auf. Danach fressen Fische und Wild am besten zu Zeiten, die Mond und Sonne vorgeben. Moderne Solunar-Tabellen zeigen pro Tag zwei große Phasen, wenn der Mond über oder unter dir steht. Dazu kommen zwei kleine rund um Mondaufgang und Monduntergang. Tage um Voll- und Neumond gelten als die besten.
Die Tabellen in FISCH & FANG funktionierten ähnlich. Laut Heft rechnete man sie aus dem Stand von Sonne und Mond und einem langjährigen Wettermittel. Die Zeiten galten für einen Längengrad. Wer weiter östlich oder westlich wohnte, zog ein paar Minuten ab oder rechnete sie dazu. Die Bahn des Mondes kennt man auf Jahre im Voraus, deshalb lässt sich so eine Tabelle lange vorher drucken. Genau das ist ihre Schwäche. Ob am Samstagmorgen eine Kaltfront über deinen See zieht, weiß sie nicht.
Beißen Fische wirklich nach dem Mond?
Forscher haben Mondphasen und Solunar-Zeiten mit echten Fängen verglichen. Die Ergebnisse sind gemischt. Die gefundenen Effekte sind klein oder stammen aus einem einzigen See.
- Hecht in einem kleinen See in Deutschland, ein Sommer (Kuparinen, Klefoth und Arlinghaus, 2010): Um Voll- und Neumond fing man pro Stunde rund ein Viertel mehr Hechte als im Schnitt. Zu den Halbmonden waren es weniger. Dämmerung, kühleres Wasser und kräftiger Wind brachten ebenfalls mehr Fisch. Viel Angeldruck an den zwei Vortagen drückte die Fänge. Wiederholt hat die Studie bisher niemand.
- Muskellunge in Nordamerika, rund 228.000 gemeldete Fänge bei Tageslicht (Vinson und Angradi, 2014): An den Spitzentagen um Voll- und Neumond wurden höchstens etwa 5 Prozent mehr Fische gemeldet. Wie lange geangelt wurde, steht nicht in den Meldungen. Drei Anglerbefragungen haben die Stunden mitgezählt, und dort hing der Fang pro Stunde nicht vom Mond ab.
- Walleye, der amerikanische Verwandte des Zanders (Shaw und Kollegen, 2021): 13 Jahre Fangbücher aus Wisconsin. Stand der Mond während der Angeltour unter dem Angler, fing man etwas öfter wenigstens einen Fisch. Der Fang pro Stunde stieg nicht, und mit dem Mond über dem Angler lag er sogar etwas niedriger. Vollmond änderte nichts. Guide, Köder und die Zahl schon gefangener Fische wogen viel schwerer.
- Forellen in den USA (Quigley und Kollegen, 2023): Verbreitete Solunar-Tabellen sagten die Fänge nicht voraus. Die Lufttemperatur lag besser.
Der Mond ist also kein reiner Aberglaube, aber ein kleiner Faktor. Nur beim Hecht hat eine Studie im Fang pro Stunde einen Phaseneffekt gefunden, und das an einem See in einem Sommer. Bei Forellen lagen die Tabellen ganz daneben. Wassertemperatur und Licht zählen viel mehr, und sie ändern sich von Tag zu Tag. Deshalb berücksichtigt klewa die Mondphase nur beim Hecht und verschiebt dessen Index um höchstens 3 Prozent. Der Mondstand, das Herzstück jeder Solunar-Tabelle, zählt bei keinem Fisch. Mondaufgang, Monduntergang und Mondphase stehen trotzdem neben der Prognose, für alle, die gern damit planen.

Was entscheidet wirklich, wann der Fisch beißt?
klewa stellt für jede Stunde zwei Fragen. Erstens: Kann dein Fisch überhaupt fressen? Das hängt vor allem an der Wassertemperatur. Jede Art hat ihren Wohlfühlbereich. Der Hecht mag etwa 7 bis 19 °C, der Barsch 12 bis 23 °C. Der Zander fühlt sich bei 12 bis 24 °C wohl, der Karpfen bei 17 bis 28 °C. In kälterem Wasser frisst der Fisch weniger, egal wie gut der Rest aussieht, und in deutlich wärmerem fällt der Index schnell. In warmem, stillem Wasser prüft das Modell zusätzlich den Sauerstoff. Und es schaut, ob das Wasser wärmer oder kälter wird. Zweitens: Wie gut ist genau diese Stunde? Das entscheiden sechs Dinge:
- Licht und Tageszeit, etwa ein Drittel der Bewertung. Meist wiegen Morgen- und Abenddämmerung am schwersten, berechnet aus dem echten Sonnenauf- und -untergang an deinem Platz. Wie stark, hängt vom Fisch und von der Wassertemperatur ab: In kaltem Wasser liegen Dämmerung und heller Tag fast gleichauf.
- Wolken, etwa ein Fünftel. Für die meisten Fische ändert der Himmel im Modell nichts. Nur der Zander verliert bei klarem Himmel etwas, der Sonnenbarsch bei dichter Bewölkung.
- Windstärke, 17 Prozent. Die Bewertung ändert sich kaum: Bei Flaute und bei Sturm liegt sie etwas niedriger. Die Windrichtung zählt gar nicht.
- Regen, 13 Prozent. Leichter Regen zählt als kleines Plus, ein Wolkenbruch drückt die Stunde.
- Jahreszeit, 7 Prozent. Den größten Teil des Jahres neutral, denn die Jahreszeit steckt schon in der Wassertemperatur. Die Bewertung sinkt nur, solange dein Fisch laicht, und die Laichzeit liest klewa aus dem Wassertemperaturmodell. Ausnahme ist der Hecht: Beim Laichen frisst er kaum, deshalb senkt das Modell seinen ganzen Index um 60 Prozent.
- Der Drucktrend, 5 Prozent. Steigender Druck nach einer Front kostet etwas, fallender zählt wie gleichbleibender. Die Zahl auf dem Barometer selbst zählt nicht. Zeigt das Wetter eine echte Kaltfront, verlieren die hellen Stunden zwei Tage lang bis zu 10 Prozent.
Drei Dinge lässt das Modell bewusst weg: den Mondstand, den absoluten Luftdruck und die Windrichtung. Keins davon hat sich in Fangdaten bewährt. Die Mondphase zählt nur beim Hecht, und auch da wenig: bis zu 3 Prozent mehr um Voll- und Neumond, bis zu 3 Prozent weniger zu den Halbmonden. Den absoluten Druck gibt es nur an einer Stelle. Er bestimmt mit, wie viel Sauerstoff das Wasser lösen kann, und genau dafür nutzt ihn das Modell.

Wie berechnet klewa die Beißzeiten für dein Gewässer?
- Du wählst einen Platz auf der Karte und einen Fisch, zum Beispiel Hecht.
- klewa holt das stündliche Wetter für diesen Punkt. Die Wassertemperatur schätzt ein physikalisches Modell aus Lufttemperatur, Sonne und Wind.
- Sonnenauf- und -untergang werden für genau diesen Ort und Tag berechnet. Die Stunde davor und danach gilt als Dämmerung.
- Für jede Stunde prüft klewa, ob dein Fisch fressen kann und wie gut die Stunde ist, und multipliziert beides. Heraus kommt ein Beißindex von 0 bis 100.
- Die stärksten Stunden am Stück werden als goldenes Fenster markiert. So siehst du sofort, wann du am Wasser sein solltest.
Stell dir einen grauen Oktobermorgen mit leichtem Wind vor, das Wasser hat etwa 12 °C. Beim Hecht steigt der Index meist um den Sonnenaufgang, sackt mittags ab und zieht zum Sonnenuntergang wieder an. Beim Zander im selben See liegt die beste Stunde in der Abenddämmerung, und die ersten Nachtstunden sind noch ordentlich. Bei wenig Licht jagt er gut, deshalb sackt seine Bewertung tagsüber stärker ab als beim Hecht. Eine Mondtabelle gibt beiden Fischen dieselben Zeiten.

Wie planst du dein Angeljahr 2027 ohne Mondkalender?
Den Rahmen setzt die Jahreszeit, und zwar über die Wassertemperatur. Der Kalender selbst entscheidet im Modell nichts. Nur solange dein Fisch laicht, sinkt die Bewertung: bei den meisten Arten ein wenig, beim Hecht um mehr als die Hälfte, weil er dann kaum frisst. Hier siehst du, was die Temperaturbereiche von klewa für vier beliebte Arten zeigen. Die Monate gelten für einen typischen flachen See in mitteleuropäischem Klima. Nimm sie als grobe Richtung, denn ein warmes Frühjahr oder ein langer Herbst verschiebt alles um Wochen.

Hecht
- •Stärkste Zeit im Modell: April und Mai, dann September bis November. Während der Laichzeit im zeitigen Frühjahr fällt der Index um mehr als die Hälfte, und im Winter ist der Hecht träge.
- •Wohlfühlwasser: etwa 7 bis 19 °C. Im heißen Sommer sackt der Index ab.
- •Beste Stunden: rund um Sonnenauf- und -untergang. Die Mondphase verschiebt den Index um höchstens 3 Prozent nach oben oder unten.
Zander
- •Gute Zeit: April bis Oktober, solange das Wasser nicht abkühlt. Im Frühjahr, zur Laichzeit, sinkt die Jahreszeit-Bewertung etwas, und mancherorts hat der Zander dann Schonzeit.
- •Wohlfühlwasser: 12 bis 24 °C.
- •Beste Stunden: Abenddämmerung, dann Morgendämmerung. Die ersten Nachtstunden sind noch ordentlich. Tagsüber, vor allem bei klarem Himmel, läuft weniger.
Barsch
- •Gute Zeit: April bis Oktober. Im November und im Winter erwartet das Modell deutlich weniger.
- •Wohlfühlwasser: 12 bis 23 °C.
- •Beste Stunden: Morgen- und Abenddämmerung. Tagsüber auch ordentlich, nachts schwach.
Karpfen
- •Stärkste Zeit: Mai bis September. Von Dezember bis Februar erwartet das Modell kaum etwas.
- •Wohlfühlwasser: etwa 17 bis 28 °C.
- •Beste Stunden im Sommer: Morgendämmerung und warme Nächte.
Schonzeiten und Mindestmaße regeln die Bundesländer, oft auch jedes Gewässer für sich. Für Hecht und Zander gilt im Frühjahr vielerorts eine Schonzeit. Prüf die Regeln, bevor du planst.
Warum kann niemand ehrliche Beißzeiten für ganz 2027 drucken?
Weil das Wichtigste so weit im Voraus keiner kennt. Beim Mond ist das anders: Seine Bahn steht auf Jahre fest. Eine Wettervorhersage taugt dagegen nur für wenige Tage, und die Wassertemperatur folgt dem Wetter. Eine Tabelle für 2027 kann also nur zeigen, was sicher ist. Und das ist ausgerechnet der Faktor mit dem kleinsten Einfluss.

Besser klappt eine einfache Gewohnheit. Schau am Vorabend oder morgens in die Prognose für deinen Platz. Such das goldene Fenster und plan den Ausflug darum herum. Fällt eine Solunar-Zeit hinein, umso besser. Bleib nur an einem vielversprechenden grauen Morgen nicht zu Hause, weil eine Tabelle den Höhepunkt auf Mittag legt.
Hol dir die Beißzeiten für heute an deinem Gewässer, Stunde für Stunde, für Hecht, Zander, Barsch und neun weitere Arten.
Beißzeiten für mein Gewässer