Wie der KLEWA-Beißindex funktioniert
Der KLEWA-Beißindex ist eine Bewertung der relativen Fressaktivität von 0 bis 100, stündlich berechnet nach der Formel Capacity × Opportunity × Postfront-Malus. Er ist ein evidenzbasierter Aktivitätsindex — kein Fangversprechen: Jeder Faktor muss sich durch veröffentlichte Forschung qualifizieren.
Was der Index ist — und was nicht
Der Index beantwortet eine Frage: Wie günstig ist diese Stunde für die gewählte Art im Vergleich zu anderen Stunden an diesem Ort? 80–100 bedeutet exzellente Bedingungen, 60–79 gut, 40–59 mittel, 0–39 schwach.
Er ist keine kalibrierte Fangwahrscheinlichkeit. Die Faktorgewichte sind eine evidenzgestützte Expertenentscheidung — das sagen wir offen; eine Datenkalibrierung folgt, sobald genügend reale Fanglogs vorliegen. Was der Index nie enthalten wird, ist Folklore: Ein Faktor ohne reproduzierbare Belege bleibt draußen.
Schritt 1 — Capacity: Kann der Fisch überhaupt fressen?
Fische sind wechselwarm: Ihr Stoffwechsel wird von der Wassertemperatur bestimmt. Das Capacity-Gate multipliziert drei biophysikalische Terme:
- Thermisches Gate — jede Art hat einen Temperaturbereich, in dem sie Nahrung verdauen kann; außerhalb bricht der Appetit ein. Deshalb ergibt eine Forellenprognose bei 28 °C Wasser ~6 Punkte statt ~96 wie bei naiven Modellen.
- Gelöster Sauerstoff — berechnet aus echter Löslichkeitsphysik (APHA / Benson–Krause), korrigiert um den Luftdruck (× P/1013.25) und die Windbelüftung. Das ist die einzige Rolle des Luftdrucks im Modell: Er verändert den Sauerstoff, nicht die „Stimmung" der Fische.
- Temperaturtrend — artspezifische Auslöser wie der Vorwinter-Fressrausch bei herbstlicher Abkühlung oder beschleunigtes Fressen bei Frühjahrserwärmung.
Schritt 2 — Opportunity: Wie günstig ist der Moment?
Kann der Fisch fressen, bewertet eine gewichtete Summe der Momentfaktoren, wie wahrscheinlich er gerade jetzt frisst. Die Gewichte summieren sich zu 1.0 und folgen der Beweislage:
- Licht / Tageszeit — 0.32. Der dominierende Faktor im Tagesverlauf, als stetige Kurve aus realem Sonnenauf- und -untergang.
- Bewölkung — 0.20. Licht- und Sichttiefeneffekte, Vorzeichen artabhängig.
- Windgeschwindigkeit — 0.15. Belüftung und Futterfischdrift; die Windrichtung ist ausgeschlossen (keine Belege).
- Drucktrend — 0.15. Ein Proxy für Wetterfronten: Der Trend zählt, nicht der Absolutwert.
- Niederschlag — 0.12.
- Saison / Laichzeit — 0.06. Ein Arten-Prior.
Schritt 3 — der Postfront-Malus
Die klassische „Bluebird"-Starre: Nach einem Frontdurchzug unterdrückt klarer Himmel in Kombination mit steigendem Druck das Fressen für 24–48 Stunden. Der Index wendet einen Multiplikator von 0.82 (klar und steigend) bis 1.0 an — das Modell erfasst die Wetterlage selbst, nicht den Aberglauben über Druck.
Was wir bewusst ausschließen — und warum
Drei Säulen der Angler-Folklore fehlen im Index, weil kontrollierte Studien sie nicht stützen:
- Mondphase. Die Solunar-Theorie sagt die Fressaktivität im Süßwasser nicht reproduzierbar voraus — Vollmond und Neumond werden gleich bewertet.
- Ein „Optimum" des Absolutdrucks. Der Absolutdruck kodiert vor allem die Höhenlage: Ein See bei 964 hPa ist nicht schlechter als einer bei 1014 hPa. Druck fließt nur über die Sauerstofflöslichkeit und den Trend ein.
- Windrichtung. „Ostwind — kein Fisch" hält keiner Prüfung stand; Signal trägt nur die Windgeschwindigkeit.
Von Stundenwerten zu deiner Prognose
Der Tagesindex nimmt die besten 8 Stunden des Tages und kombiniert sie ausreißerrobust: 60 % Median + 40 % Mittelwert. Goldene Fenster sind zusammenhängende Abschnitte der bestbewerteten Stunden (das unpraktische Nachtfenster 01:00–03:00 wird übersprungen).
Wetter kommt von OpenWeatherMap; Wassertemperatur und Druckhistorie von Open-Meteo; Tag-Nacht-Grenzen aus astronomischem Sonnenauf- und -untergang für deine Koordinaten. Das Fischverhalten ist für alle 12 unterstützten Arten separat konfiguriert, mit saisonalen Profilen je Art.